Dezember 28, 2008 von tausendzeichen

He fell silent, a dreamy look on his face. „And that’s going to be me. That’s going to be Hard Case Crime. We’re going to come out on top.“
Ende der 50er: Patricia Heverstedt ist ein smartes Landei und will in New York ihr Glück machen. Charley Borden ist ein leicht windiger Tausendsassa, der die große Kohle im Geschäft mit Pulp Fiction wittert. Also verschafft er Patricia nicht nur einen Job als Tänzerin, sondern heuert sie auch als Schreiberling für seinen Verlag Hard Case Crime an. Ihre Räuberpistole I Robbed The Mob! entpuppt sich allerdings als pure True Crime Story: der vermeintlich ausgedachte Überfall hat tatsächlich stattgefunden – und plötzlich zeigen Mafia und Cops gesteigertes Interesse an Patricia, Charley und ihren Lieben …
Glückwunsch an Charles Ardai, den Mitbegründer des realen Hard Case Crime Verlags. Das Programm hat es mit Fifty-To-One zum 50. Titel geschafft. Obendrein ist der Roman ein trickreiches Spiel mit der Publikationsgeschichte und dem Noir-Genre.
Dreh- und Angelpunkt ist natürlich die Jubiläumszahl 50: Ardai hetzt sein Personal durch genau diese Zahl an Kapiteln. Jedes trägt als Überschrift einen der bislang veröffentlichten Titel. In streng chronologischer Reihenfolge selbstverständlich. Das birgt nette Fallhöhen und Verschachtelungen, die sich aber immer nett in das Setting einschmiegen. Perfekt dazu passt auch das historische Bild New Yorks von vor 50 Jahren.
Welche kompositorischen Kopfschmerzen ihm das alles bereitet hat, beschreibt Ardai im Nachwort. Anspornende Vorbilder waren unter anderem Georges Perec und Italo Calvino. Die beiden Oulipisten wären sicherlich stolz auf das Ergebnis. Hut ab und auf die nächsten 50!
Titel: Fifty-To-One
Autor: Charles Ardai
Verlag: Hard Case Crime
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-0-8439-5968-0
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Dezember 26, 2008 von tausendzeichen
An Feiertagen müssen schwere Entscheidungen getroffen werden. Sich mit den Lieben zum Spielen zusammenfinden oder gemütlich bei einem Monsterfilm entspannen?
Steve Tassie hat das Problem schon 2001 gelöst und einfach „Grave Robbers from Outer Space“ erfunden. In dem Kartenspiel werden alle Teilnehmer zu Regisseuren, die ein B-Movie drehen müssen. Zur Verfügung stehen einschlägige Drehorte (Höhlen am Rande Dorfes, Hinter dem Hügel …) sowie ausreichend Darsteller (Witzbold, der noch dran glauben muss) und Monster (Giftiger Nebel, Albino-Alligatoren). Zum Aufpeppen gibt es noch jede Menge Requisiten und Spezialeffekte – unverhofftes Glück beim Trash-Dreh ist natürlich die Karte „Grosses Budget“ …

Das Regelwerk passt auf eine Doppel DIN A4-Seite, die Beschreibungen auf den Karten überspannen den ganzen Graben von grottig bis größenwahnsinnig – kurzum: richtig gelungen.
„Grabräuber aus dem All“ sowie die Erweiterungen „Kannibalen aus dem Dschungel des Todes“ und „Die Rache der Grabräuber aus dem All“ sind auch auf deutsch erschienen. Die Spiele gibt es beim mario truant verlag.
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Dezember 26, 2008 von tausendzeichen
Wahrscheinlich inspiriert von den Büchern zum Thema „Kunst aufräumen“ hat Markus Hofko einen analytischen Blick auf berühmte Disney-Figuren gerichtet. Die großartige Ausstellung findet man unter „Deconstructed Disney“. Der Künstler sagt über sein Werk: „While everyone seems to be on the search for the God-Particle I looked for the basic elements of the classic comic characters.“ Erkennen Sie das Wesen der Ente!
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Dezember 26, 2008 von tausendzeichen
Eine schöne Schreckgeschichte für seltsame Kinder erzählt der Kurzfilm „The Hangman“ (1964), nach einem Gedicht von Maurice Ogden. „Into our town the hangman came,/ smelling of gold and blood and flame.“ Der Henker-Film wirkt wie eine Kollaboration zwischen Maurice Sendak und Arthur Miller.
Die Regie führte Paul Julian. Seine Karriere begann als Background-Designer für die Warner-Brother-Cartoons. Julian sprach sogar das berühmte „Beep, beep!“ für den Roadrunner. Im Jahr 1953 arbeitete er an dem Zeichentrickfilm „Tell-tale Heart“ nach Edgar Allen Poe. Und er entwarf Titelsequenzen für Roger Cormans Filme während der 50er und 60er. Diese morbid-bunten Inspirationen merkt man „The Hangman“ an. Das ist Kinderprogramm für die Addams Family!
Die Grindhouse-Gurus von „Trailers from Hell“ haben den Cartoon jetzt als Weihnachtsgeschenk ins Netz gestellt. Gesegnete Henkersmahlzeit!
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Dezember 26, 2008 von tausendzeichen
Am 27. März 2009 ist der Weltuntergang! Oder zumindest die Premiere von „Monsters vs. Aliens“, des neuen Dreamworks-Trickfilms.
Der Plot leuchtet jedem Menschen ein, der als Kind seine Zeit sinnvoll verbracht hat, also zu viele B-Filme gesehen hat: Böse Außerirdische wollen unseren Planeten erobern und damit Schindluder treiben. Die einzige Rettung er Menschheit sind Monster!
Die Monsterparade erinnert stark an die Finanzkrise, ist aber deutlich lustiger. Einen offiziellen Trailer findet man auf der Seite „Trailer Unleashed“ oder hier unten.
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Dezember 21, 2008 von tausendzeichen
Mich fasziniert immer, wenn Gegensätze einander berühren. Öl und Zement. Oder eine Fabrik am Meer. Das Meer allein, also ohne die Fabrik, ist in meinen Augen nicht schön.
- David Lynch
Heutzutage piesackt David Lynch sein Publikum oft durch treuherziges Schwadronieren über Seelenheil und Weltfrieden. Wie ein Trostpflaster gegen sein Guru-Gedöns wirken die musikalischen Extravaganzen auf der schmissig gestylten Fan-Page „Mashed in Plastic“.
Englische Libertins haben hier mit ihrer Lynch-Soundtrack-Sammlung eine Orgie gefeiert. Aus Songs und Filmmusik kreieren sie Mash-Ups, also gewagte, neue Kombinationen von Gesang eines Tracks und Musik eines anderen Stücks. Das Unternehmen ist sehr großzügig mit seinen akustischen Perversionen: Alle Mp3s kann man sich gratis herunterladen. Es gibt kostenloses Artwork für die Mash-Up-CD. Sogar Videos wurden produziert. (Man merkt daran auch, dass Lynch nichts mit dem Projekt zu tun hat. Auf seiner Homepage würden niemals Sachen verschenkt werden.)
Nicht alle Stücke sind gut, aber im besten Fall entsteht ein faszinierendes Monster wie das Remake des Twin-Peaks-Themas von Colatron. Getragen von der alpträumerischen Musik singt der junge Michael Jackson „I´ll be there for you“. Der singende Geist in der amerikanischen Spukstadt, das paßt wie Öl auf Zement. David Lynch kann stolz auf „Mashed in Plastic“ sein.
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Dezember 21, 2008 von tausendzeichen
He knows everything there is to know about B movies, he can sing fifties rock and TV theme songs all night long (and often does), he likes to fish, and he just happens to be the most startling, original, and entertaining short story writer in science fiction today.
George R. R. Martin über Howard Waldrop
„Sue The Bastards“ lautete die Empfehlung an den Autor Howard Waldrop, als im Jahr 2000 O Brother, Where Art Thou? in die Kinos kam. Der Grund: wohlwollende Freunde sahen arg zu viele Ähnlichkeiten zwischen dem Film und der bereits 1989 erschienenen Story Waldrops A Dozen Tough Jobs …
Die nette Anekdote samt Geschichte kann jetzt in Other Worlds, Better Lives nachgelesen werden. In der Sammlung stecken sieben von Waldrops längeren Arbeiten, die alle zwischen 1989 und 2003 entstanden sind. Unter anderem mit dabei: die Geschichte, in der sich die Wege von Picasso, Proust und Alfred Jarry bei einer imaginären Filmproduktion zur Dreyfuss-Affäre kreuzen – und dabei den Regisseur mit ihren Vorstellungen von Kino beinahe in den Wahnsinn treiben … oder die Keystone-Cops als Erfüllungsgehilfen bei der Kommunistenhatz von Joe McCarthy …
… oder oder oder … Seit 1970 ist der Mann mit der Schreibmaschine unermüdlich unterwegs, faßt Idee um Idee in Worte. Kollege George R. R. Martin hat ihm mal bescheinigt, keine Geschichte zweimal geschrieben zu haben. Herausgekommen ist ein ganzes Universum einmaliger Unterhaltung.
In den exzellenten Kurzgeschichten leuchten die Sterne besonders hell. Die Anthologien Howard Who? und Things Will Never Be The Same versammeln nur einige Highlights. Hoffentlich und hoffentlich gibt es in Zukunft noch wieder mehr (oder gar alles???) zu lesen.
Titel: Better Worlds, Better Lives
Autor: Howard Waldrop
Verlag: Old Earth Books
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-1-882968-38-1
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Dezember 20, 2008 von tausendzeichen
Apelike they are, and simian and not like normal man and wimian.
- Ogden Nash
Eine Show mit Monster-Gorillas kann man zwar fast jeden Abend im deutschen TV sehen, aber für echte Liebhaber von Kriegaffen lohnt sich ein Blick auf die Clip-Revue „Gorillas of the Screen“. Weitere Informationen findet man auf der Seite „Gorilla Men“. Go Ape!
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Dezember 16, 2008 von tausendzeichen
Quin had a lot of personality problems, he knew, but paranoia was chief among them. He made sure there was a backdoor in everything he ever did.
Quin Taper ist ein frisch gefeuerter IT-Spezialist. Mit Inbrunst verfolgt er ein Ziel: dem machtbesessenen Milliardär Walter Cheeseman an den Karren zu fahren. Der Software-Zar ist sein Ex-Chef und zielstrebig auf dem Weg zur Weltherrschaft unterwegs. (Der Masterplan dazu stammt noch aus der Jugendzeit.)
Die Herzen fliegen aber mehr dem Gitarristen Aqualung und seiner Band The Snake Vendors zu. MIt Rock ‘n’ Roll und Feedback-Technologie stürmen die Musiker in die Charts und ins Visier von Cheeseman. Die Digital Carnivore komplettiert den Mix – ein intelligentes File-Sharing-Programm, das seit Jahren in einem immer wilderen Web sein (Un-)Wesen treibt. Bei der Suche nach dem Ursprung der Datenschleuder kommen sich Cheeseman, Aqualung und Taper wiederholt ins Gehege … bis zum Showdown. Da kommt dann auch endlich die titelgebende Raumstation ins Spiel.
Radio Freefall erfindet Cyberpunk nicht neu. Matthew Jarpe schmiedet aber ein heißes Eisen aus Musik, Science-Fiction und Web-Ideologie zusammen. Manchmal strapazieren die überraschenden Wendungen, manchmal zieht es durch die Löcher in der Handlung. Dafür fährt Jarpe ein paar tolle Ideen für die nahe Zukunft auf – und liefert nebenbei tolle Konzertmitschnitte.
Ein prima Seitenwender.
Titel: Radio Freefall
Autor: Matthew Jarpe
Verlag: TOR Books
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-0-7653-5719-9
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Dezember 13, 2008 von tausendzeichen
So at the end of the week I shut down my left brain, got charged, and told anyone who would listen that I was going Downtown.
John Kessel macht in seinen Geschichten vieles möglich. Aber selbst sein zeitreisender Filmagent scheitert am Starrsinn des jungen Orson Welles. Mit seinem grenzenlosen Ego versaut sich der Regisseur lieber eine sichere Karriere in der Zukunft, als dass er in seiner eigenen Zeit ordentlich untergeht.
Überhaupt geht in den Stories in The Baum Plan For Financial Independence eine Menge schief. Weil Kessel immer einen Ausweg findet, um von Erwartungen und Erzählweisen abzulenken. Was eben noch folgerichtig war, erhält einen unerwarteten Drall: den Plot um einen untergetauchten Mörder und seinen versuchten Neubeginn hebelt die Obsession mit einer Katze aus. In The Last American implodiert die Form „Biographie-großer-Männer“ durch den Kontakt mit dem Inhalt. Das erfundene Leben und Wirken von Präsident Andrew Steele sprengt einfach den Rahmen.
Solcher Literatur sollten in den letzten Jahren Labels wie Slipstream oder New Weird verpasst werden. Eben Texte, die durch das Genre-Raster fallen. Glücklicherweise scheren sich da eine ganze Menge Autoren weniger um das passende Keyword und mehr um den Lauf ihrer Ideen. Die Spanne reicht von Howard Waldrop über China Mieville und Ben Rosenbaum und Jeffrey Ford und Jay Lake … oder hier John Kessel.
Höchste Zeit, sich ans Lesen zu machen. Mal schauen, wann der Stoff auch via deutscher Übersetzung direkt ins Hirn gepumpt werden kann …
Titel: The Baum Plan For Financial Independence
Autor: John Kessel
Verlag: Small Beer Press
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-193152050-8
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