Archiv für die Kategorie ‘Film’
Februar 6, 2009
Fast verdrängt, aber leider immer noch wahr: Ridley Scott verfilmt Monopoly. Ob der Bladerunner- und Alien-Macher weiß, worauf er sich eingelassen hat?
Denn mit dem „Scrabble“-Streifen Word Wars hat der inoffizielle Meilenstein des Genres Brettspiel-Verfilmungen schon 2004 einige Auszeichnungen eingeheimst. Beim Sedona International Film Festival gab es den Director’s Choice Award und ein Audience Award wurde auf dem Full Frame Documentary Film Festival vergeben …
Das wird also kein leicht weg gedrehter Oscar – jetzt schnell machen, bevor John Woo Mikado entdeckt, Volker Schlöndorff Topfschlagen neu verfilmt oder noch Karl Lagerfeld Fang-den-Hut spielt.
Scott will mit einer SciFi-artigen Verfilmung punkten – vielleicht macht aber ein Kammerspiel mehr Sinn:
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Januar 24, 2009
Eigentlich beruht der neue Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Es gibt allerdings auch strenge Menschen, die behaupten, David Finchers neuer Film sei im Grunde ein in die Länge gezogenes Remake von „Forrest Gump“. Die „Talk Show with Spike Feresten“ präsentierte sogar einen entlarvenden Zwillings-Trailer für „Button Gump“.
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Dezember 26, 2008
An Feiertagen müssen schwere Entscheidungen getroffen werden. Sich mit den Lieben zum Spielen zusammenfinden oder gemütlich bei einem Monsterfilm entspannen?
Steve Tassie hat das Problem schon 2001 gelöst und einfach „Grave Robbers from Outer Space“ erfunden. In dem Kartenspiel werden alle Teilnehmer zu Regisseuren, die ein B-Movie drehen müssen. Zur Verfügung stehen einschlägige Drehorte (Höhlen am Rande Dorfes, Hinter dem Hügel …) sowie ausreichend Darsteller (Witzbold, der noch dran glauben muss) und Monster (Giftiger Nebel, Albino-Alligatoren). Zum Aufpeppen gibt es noch jede Menge Requisiten und Spezialeffekte – unverhofftes Glück beim Trash-Dreh ist natürlich die Karte „Grosses Budget“ …

Das Regelwerk passt auf eine Doppel DIN A4-Seite, die Beschreibungen auf den Karten überspannen den ganzen Graben von grottig bis größenwahnsinnig – kurzum: richtig gelungen.
„Grabräuber aus dem All“ sowie die Erweiterungen „Kannibalen aus dem Dschungel des Todes“ und „Die Rache der Grabräuber aus dem All“ sind auch auf deutsch erschienen. Die Spiele gibt es beim mario truant verlag.
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Dezember 26, 2008
Am 27. März 2009 ist der Weltuntergang! Oder zumindest die Premiere von „Monsters vs. Aliens“, des neuen Dreamworks-Trickfilms.
Der Plot leuchtet jedem Menschen ein, der als Kind seine Zeit sinnvoll verbracht hat, also zu viele B-Filme gesehen hat: Böse Außerirdische wollen unseren Planeten erobern und damit Schindluder treiben. Die einzige Rettung er Menschheit sind Monster!
Die Monsterparade erinnert stark an die Finanzkrise, ist aber deutlich lustiger. Einen offiziellen Trailer findet man auf der Seite „Trailer Unleashed“ oder hier unten.
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Dezember 21, 2008
Mich fasziniert immer, wenn Gegensätze einander berühren. Öl und Zement. Oder eine Fabrik am Meer. Das Meer allein, also ohne die Fabrik, ist in meinen Augen nicht schön.
- David Lynch
Heutzutage piesackt David Lynch sein Publikum oft durch treuherziges Schwadronieren über Seelenheil und Weltfrieden. Wie ein Trostpflaster gegen sein Guru-Gedöns wirken die musikalischen Extravaganzen auf der schmissig gestylten Fan-Page „Mashed in Plastic“.
Englische Libertins haben hier mit ihrer Lynch-Soundtrack-Sammlung eine Orgie gefeiert. Aus Songs und Filmmusik kreieren sie Mash-Ups, also gewagte, neue Kombinationen von Gesang eines Tracks und Musik eines anderen Stücks. Das Unternehmen ist sehr großzügig mit seinen akustischen Perversionen: Alle Mp3s kann man sich gratis herunterladen. Es gibt kostenloses Artwork für die Mash-Up-CD. Sogar Videos wurden produziert. (Man merkt daran auch, dass Lynch nichts mit dem Projekt zu tun hat. Auf seiner Homepage würden niemals Sachen verschenkt werden.)
Nicht alle Stücke sind gut, aber im besten Fall entsteht ein faszinierendes Monster wie das Remake des Twin-Peaks-Themas von Colatron. Getragen von der alpträumerischen Musik singt der junge Michael Jackson „I´ll be there for you“. Der singende Geist in der amerikanischen Spukstadt, das paßt wie Öl auf Zement. David Lynch kann stolz auf „Mashed in Plastic“ sein.
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Dezember 20, 2008
Apelike they are, and simian and not like normal man and wimian.
- Ogden Nash
Eine Show mit Monster-Gorillas kann man zwar fast jeden Abend im deutschen TV sehen, aber für echte Liebhaber von Kriegaffen lohnt sich ein Blick auf die Clip-Revue „Gorillas of the Screen“. Weitere Informationen findet man auf der Seite „Gorilla Men“. Go Ape!
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Dezember 10, 2008
Eine Reise zu den Ursprüngen von Heavy Metal war wohl nicht genug. Der Anthropologe, Regisseur und bekennende Iron Maiden-Fan Sam Dunn legt mal eben 40.000 Reisekilometer hin, um jetzt noch den globalen Umfang des Headbangens zu vermessen.
Das geschieht sehr charmant. Denn Global Metal ist eine reinrassige Fan-Doku mit dem professionellen Anthropologen-Blick für Zusammenhänge. Metal und Globalisierung werden nicht in einem drögen Konzept analytisch zusammen gezwängt. Die Besuche bei neuen Szenegrößen und alten Recken ergeben ein sehr lautes, sehr abwechslungsreiches Festival, das sich rund um den Globus erstreckt.
So berichten Sepultura von der gespenstischen Erfahrung 1992 bei ihrem ersten Konzert in Indonesien vor 20.000 Anwesenden: die massive Polizeipräsenz sorgte für mucksmäuschenstilles Verharren auf den Stühlen. Dagegen recken sich beim Iron Maiden Gig in Indien anstelle von Feuerzeugen unzählige Fotohandys in den Himmel und im nahen Osten wird der Download via Internet als Hauptquelle verbotener Musik in den höchsten Tönen gelobt. Metal ist überall angekommen; egal, ob als Protest oder Stil – hauptsache, es knistert ordentlich.
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Dezember 7, 2008
Ze do Rock ist Taxifahrer, Schriftsteller, Regisseur und Brasilianer, der in München lebt. Mit einer eigenwilligen geographischen Orientierung hat er in seinem neuen Film deutsch-brasilianische Klischees vermessen. Dazu besucht er in Schleswig-Holstein etwa das Dörfchen Ekel und in Brasilien stehen Fuck und eben Schroeder auf dem Programm.
Das Roadmovie kommt mit einem lustigen Gemisch aus Menschen und Sprache daher. Hatte Ze do Rock in seinem vielgelobten Buch Fom Winde Ferfeelt eine ultra-einfache Ortographie des Deutschen gefordert, läßt er jetzt einfach mal alle plappern. Zum Beispiel den Bürgermeister von Schroeder, der mit einem verbalen Gebräu aus Brasilianisch, Deutsch und Nuscheln für das Erlernen von Fremdsprachen wirbt.
Weil kein Geld und kein Verleih, ist Ze do Rock mit seinem Streifen bislang durch die Gegend getingelt. Nun soll der Film aber in den nächsten Monaten in die Kinos kommen. Große Chance also, Schroeder liegt in Brasilien doch noch gemütlich mit Bratwurst und Caipirinha anzuschauen.
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November 30, 2008
Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
Jorge Luis Borges
Ein etwas anderes Eldorado als den Borgeschen Garten Eden findet der interessierte Betrachter im Fotoarchiv von „Life“. In Zusammenarbeit mit Google stellt das Magazin seine riesige Bildsammlung kostenlos online zur Verfügung. Nicht nur an verregneten Novembernachmittagen kann man sich darin erstaunlich gut amüsieren.
Ein paar Bildbeispiele? Zsa Zsa Gabor vor dem Moulin Rouge mit Buster Keaton als Toulouse-Lautrec. Vizepräsident Harry Truman spielt auf einem Klavier, auf dem Lauren Bacall sitzt. Anita Ekberg bedroht Paparazzi mit Pfeil und Bogen.
Und das Foto von Gloria Swanson in den Ruinen des Roxy-Kino hat sogar eine Bildlegende voller cinephiler Poesie: „Actress Gloria Swanson in Jean Louis sheath and $ 170.000 worth of jewels standing amidst ruins, lamenting the loss of Roxy motion picture theatre, 50th Street and 7th Avenue in New York, 1960.”
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November 29, 2008
I´d say you were within your rights to bite/ The right one and say, “What kept you so long”.
Morrissey. Let the right one slip in.
Der schwedische Vampirfilm “So finster die Nacht“ ist eine gespenstische Mixtur aus Horror, Schönheit und Komik. Oft schafft es der Regisseur Tomas Alfredson alle diese Tonlagen zusammen einzusetzen. Eine Szene zeigt einen märchenhaft verschneiten Birkenwald. Versteckt findet dort ein blutiges Gemetzel statt. Schließlich muss der Täter fliehen, weil ein albern gestylter, weißer Pudel vom Blutgeruch anlockt wird.
Wenn man es plakativ formulieren will: “So finster die Nacht“ ist ein Arthouse-Horrorfilm für Jugendliche, die keine Angst vor Alpträumen haben. Die Hauptdarsteller sind der 12jährige Oskar, ein unglücklicher Einzelgänger, und ein unheimliches Mädchen namens Eli. Die morbide Liebesgeschichte zwischen den beiden Outsidern wirkt wie eine Variante von „Die Schöne und das Biest“. Der Originaltitel des Films (und der literarischen Vorlage) „Let the right one in“ spielt übrigens auf einen Song von Morrissey an. Wahrscheinlich würde er sich in der Vorstadt-Tristesse mit Vampirmädchen wohlfühlen. Eine Wundertüte für Nachtmenschen!
Der deutsche Kinostart ist am 23.12.2008.
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