Archiv für die Kategorie ‘comics’

The Importance Of Being Hellboy

Januar 6, 2009


Suspicion is an evolutionary trait in my business. Develop it or become instinct.

Horton hört ein Hu ist ein hübsches Kinderbuch vom notorischen Onkel Dr. Seuss. Nun will uns Gary Braunbeck weismachen, dass auch Hellboy auf den Klassiker steht. Wer mehr darüber wissen will, muss Oddest Jobs lesen.

Die jüngste Sammlung von Geschichten über den groß-roten Höllenknaben hat wieder Christopher Golden kompiliert. Mike Mignola himself hat die den einzelnen Kapiteln vorangestellten Zeichnungen beigesteuert. Also Stoff vom feinsten – so protzt auch das Autorenverzeichnis: beteiligt sind Mark Chadbourn, Garth Nix, Joe R. Lansdale, China Mieville, Rhys Hughes, Tad Williams und und und …

Aus der Waffenkammer der phantastischen Short Story entweichen unter anderem Salamander-Leute, ein keltischer Unterwassergott und böse Inneneinrichtungen. Passt auch alles wunderbar ins Hellboy-Universum. Noch besser klappt die Fan-Attitüde, mit der die Beteiligten zu Werke gegangen sind. Nur wenige haben sich die Gelegenheit entgehen lassen, ihre Abenteuer in der ersten Person Singular aufzuschreiben.

Einmal ein melancholischer Dämon mit Steinfaust sein – wer kann da schon widerstehen. Einen besseren Hellboy jibbet net.

Titel: Hellboy – Oddest Jobs
Hrsg.: Christopher Golden
Verlag: Dark Horse Books
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-1-59307-944-4

Ein Dodo und keine Buddel voll Rum

November 23, 2008

„How come you know the story if everyone was killed?“
(…)

„Later, rookie. Maybe we’ll see each other on land.“

Als die Karibik im 18. Jahrhundert zu gesetzestreu unter ihren Planken wurde, segelten die letzten Piraten in den Indischen Ozean aus. In dem Inselgestrüpp rund um Mauritius und vor dem etwas weiter entfernten La Reunion konnte noch ungestört geplündert und mit korrupten Obrigkeiten gekungelt werden. Vor diesem historischen Setting lässt Lewis Trondheim mit Co-Autor Appollo seine bekannten Schnabeltiere in Bourbon 1730 los, begleitet von einem bunten Trupp hunde-, wiesel- und sonstwie nagetier-ähnlicher Gestalten.

Auf der Suche nach einem möglicherweise noch lebenden Dodo gelangt der Naturforscher Despentes mit seinem Gehilfen Raphael Pommery im Jahr 1730 nach Bourbon. Auf dem notdürftig erschlossenen Eiland brodelt es: der berüchtigte Pirat Buzzard ist endlich gefangen worden und soll hingerichtet werden. Entlaufene Sklaven führen aus dem Inselinneren heraus einen Guerillakrieg gegen die Plantagenbesitzer … und dann ist da noch der sagenumwobene Schatz, den Buzzard vor seiner Gefangennahme verbuddelt haben soll …

Trondheims zitternder Strich, versetzt mit raschen Schraffuren, machen die gezeichnete Wildnis zu einem fiebrigen Erlebnis. Mitten darin immer wieder die klaren, naiven Strukturen von Raphaels Entenkopf, in dem die Träume eines freien Piratenlebens herumspuken. Dank des erzählerischen Gespürs von Trondheim / Appollo bleiben Stereotypen und Plattheiten außen vor – da ist mal die konsequente Panel-Folge über die Forschungsexpedition, die sich in den unbegreiflichen Dschungel verstrickt, und da ist mal eine bitterböse Abschweifung über die betrunkenen Freibeuter in Rente. Solche Geschehnisse werden wunderbar in den Kontext der Geschichte verwoben und auf leichte Art und Weise aufgelöst.

An die knapp 280 Seiten sind dicht gepackt Erläuterungen und historische Kuriosa angeflanscht, die für zig weitere Schnurren reichen … Wegweiser auf einer Schatzkarte zu weiterer Unterhaltung.

Titel: Bourbon Island 1730
Autor: Appollo und Lewis Trondheim
Verlag: :01 First Second
Jahr: 2008
Sprache: englisch
ISBN: 978-1-59643-258-1

And The Winner Is …

Juli 27, 2008


Auf der Comic-Con in San Diego wurden am 25.07. die Eisner-Awards 2008 vergeben. Der Umbrella Academy von Gerard Way und Gabriel Ba haben wir schon bei unserer Besprechung im Juni die Daumen gedrückt.

Als Best Limited Series sind die Regenschirme dann auch durch das Ziel gegangen.

Gratulation!

Trailer-Remix: Battle of the Batmans

Juli 1, 2008

Batmänner gibt es wie Spatzen auf dem Dach. Gegen die weltweite Unterwelt kämpfen der türkische Batman, der indische Batman und wahrscheinlich auch der bayerische Batman.
Sogar in Gotham City finden wir eine dichte Fledermausmann-Population, wenn wir dem Trailer-Remix „Battle of the Batmans“ von www.black20.com glauben. Hier wemsen sich Michael Keaton, Val Kilmer, George Clooney und Christian Bale um den Titel des wahren Batman. „This film is only big enough for one Batman!“ Ob das im August anlaufende Batman-Opus „The Dark Knight“ da mithalten kann?

Und hier noch ein Batman-Witz, der kursiert.

: What did Batman say to Robin when he got to the Batmobile?
: Get in the Batmobile, Robin!

Warten auf Garfield

Juni 22, 2008

Depression, Psychosen und Nihilismus – diese Grundpfeiler der modernen Kunst verband man bislang nicht unbedingt mit dem feisten Kater Garfield.
In seinem Blog Garfieldminusgarfield.net hat Dan Walsh die niedlichen Katzen-Cartoons auf eindrucksvolle Weise verwandelt. Er retuschiert Garfield (und die anderen knuddeligen Tierchen) aus den Bildern heraus. Übrig bleibt Garfields Mensch Jon Arbuckle als einziges Lebewesen in einer absurden Welt. Durch den Verlust der Hauptfigur erreicht der Strip eine bittere Komik.
In einem der remixten Cartoons fragt Jon anscheinend sich selbst: „Hast Du unerfüllte Träume?“ Danach starrt er stumm noch zwei Bilder lang ins Nichts. Der Strip endet ohne Pointe oder Auflösung. Fast scheint der Geist Samuel Becketts in der Cartoonruine wieder auferstanden zu sein.
Der Garfield-Terminator Dan Walsh sagte der New York Times, die deprimierenderen Strips, in denen Jon mit leeren Bildern redet oder das Nichts beschimpft, lösen die größten Reaktionen aus. Garfield ist tot! Lang lebe GarfieldminusGarfield!

Schirmherrschaft

Juni 15, 2008

„And I thought having one of you around was bad …“

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Zum letztjährigen Free Comic Book Day schob Dark Horse …but the past ain’t through with you in die Boxen: die Umbrella Academy hatte ihren ersten Auftritt. Sieben dezent gestörte Kids, ein unnahbarer Ziehvater und eine Mama aus Plastikteilen sind als Patchwork-Familie im Auftrag des Guten unterwegs.

In der jetzt erschienenen Apocalypse Suite auch nicht zu knapp. Über 144 Seiten läßt das kreative Duo Gerard Way und Gabriel Ba die Kugeln rollen. Zeitreise, Gustave Eiffel, Weltuntergang, Roboter und Schimpansen sind mit dabei – ebenso wie Geigenunterricht, Bruderzwist, Strawinsky und noch mehr Weltuntergang.

Dieser Mischung stand der Zeichner Gabriel Ba anfangs eher skeptisch gegenüber. Wie er die vertrackte Geschwindigkeit der Story dann in einen prima Panelfluss geleitet, die überreizte Atmosphäre in tolle Bilder gepackt hat – große Klasse. Mehr Infos aus der Werkstatt gibt es übrigens in seinem Blog dazu. Noch besser: Umbrella Academy ist für den diesjährigen Eisner-Award als „Best Limited Series“ nominiert.

Congrats and good luck!


Titel - The Umbrella Academy: Apocalypse Suite
Autor - Gerard Way, Gabriel Ba
Verlag - Dark Horse
Sprache - englisch
Erschienen - 2008
ISBN - 978-1-59307-978-9

Anarchie & Entertainment

April 19, 2008

Steve Purcell liebt es, die Bilder und Dialoge seines Comics „Sam & Max“ bis zum Platzen mit irrsinnigen Gags voll zu stopfen. Pfeifenrauchende Dinosaurier in Flip-Flops gehören ebenso zum Programm wie Bandenkriege auf dem Mond zwischen Ratten und Kakerlaken!
Die Abenteuer von Sam, dem Hund und Max, dem Hasenwesen – Mitglieder der „Freelance Police“ – beginnen meist in ihrem schäbigen New Yorker Büro.
Nach wenigen Bildern wechselt die Handlung dann zu exotischen Schauplätzen: Unglaubwürdige Tempel auf den Philippinen (Max: „Drawn without reference material, apparently.“) oder Supermarkt-Regale mit Frühstücksflocken, zwischen denen ein Dämon die Kunden frisst.
In der Neuausgabe des Comic-Bandes „Surfin´ The Highway“ sind zum 20jährigen Jubiläum alle gedruckten Abenteuer versammelt. Informationen über die Reinkarnationen von Sam & Max als Computerspiel, Fernsehserie und Web-Comic findet man unter www.telltalegames.com.
Purcell sagte in einem Interview, er schätze die Komik der Marx-Brothers, des Mad-Magazins und der Monty Pythons. Für moderne Menschen gesagt: Wer über die Simpsons lacht, dem werden auch Sam & Max gefallen.
Nehmen Sie nur die Geschichte, als Sam und Max einmal Adolf Hitler gegenüber stehen.

Hitler: (auf Deutsch zu Max) Ich werde dich meinem Hausschakal Otto füttern.

Nazi-Scherge: (auch auf Deutsch) Ich wusste nicht, dass der Führer einen Schakal als Haustier hat. Wie niedlich.

Max beißt Hitler in den Kopf.

Max: Tastes just like chicken!

Nicht das einzige Mal, dass Sam & Max Kontakt zu Deutschland aufnehmen: Der Trailer „Night of the raving dead“/“Nacht des ausgeflippten Todes“ parodiert Murnaus „Nosferatu“ (siehe unten).

Steve Purcell
Sam & Max: Surfin´the Highway
Anniversary Edition
Telltalegames
197 Seiten
$ 19,99/ca. 16 €

Der Diktator als Babysitter

März 16, 2008

In den dokumentarischen Comic „Pjöngjang“ erzählt Guy Delisle voller Galgenhumor von seiner Arbeit als Zeichentrickfilmer in Nordkorea. Delisle macht den Alptraum Nordkoreas und die Grotesken der Globalisierung in seinen schwarz-grauen Zeichnungen fassbar.
Der Kanadier überwachte in der nordkoreanischen Hauptstadt tatsächlich die Fabrikation von Cartoons für das französische Frühstücksfernsehen. Um Devisen in das verarmte Land zu holen, unterbieten die stalinistischen Machthaber sogar die Budgets der Chinesen. So helfen die Kinderfilme mit, den Personenkult des Alleinherrschers Kim Jong-Il zu finanzieren. Auch an anderer Stelle vermischen sich Diktatur und Popkultur auf bizarre Weise.
Nach einigen Wochen in Pjöngjang hält Delisle eine Rede vor den einheimischen Zeichnern, die für seine Produktion arbeiten: „Ich danke Ihnen für ihre Mühen und ihren Einsatz für unsere `Kleinen Mickys´, und dass sie es den Eltern unserer kapitalistischen Gesellschaft ermöglichen, bis in die Puppen zu schlafen, während ihre Kinder vor der Glotze hängen.“

Guy Delisle
Pjöngjang
184 Seiten
Reprodukt
18 €

Zarte Bandagen

Februar 12, 2008

„I get the sense that people are staring at us.“
„It’s because you’re pretty.“
„But you’re crying!“
„It’s nothing. Just the music.“

Nicht nur von edler Abstammung, nein, auch die Manieren sind untadelig: Imhotep, Paharao beider Ägypten, erweist sich als wahrer Gentleman. Den Ausflug mit der Tochter seines Gastgebers gestaltet er so zu einem unvergesslichen Erlebnis. Er weiß um die Selbstverständlichkeit eines unaufdringlichen Kompliments zur rechten Zeit ebenso, wie er den melancholischen Anflügen der Professorentochter einfühlsam begegnet.

Von anderem Kaliber dagegen ist der Vater. Zupackend und direkt führt der älter Imhotep das rauhe Leben eines Seemannes am Rande der Legalität. Nach 3000 Jahren verstricken sich die Angelegenheiten von Vater und Sohn erneut ineinander …

Die Geschichte von zwei Mumien und ihren Leidenschaften im viktorianischen England, ausgeheckt und ausgeführt von Franzosen? So unnachahmlich kann das nur das Autoren- und Zeichner-Duo Joann Sfar / Emmanuel Guibert. Aus leichtem Pastellstrich und stilsicherer Diktion haben sie eine wundervolle Geschichte über eine zart-besessene Liebe entstehen lassen, begleitet von Missverständnissen und unglücklichen Wendungen, die sogar der Queen höchstpersönlich ein Bad in der Themse bescheren. Ob das Ende tatsächlich ein gutes ist für alle Beteiligten – da muss sich ein jeder Leser selbst entscheiden. Für die als Dreingabe beigefügten Sketches und Skizzen gilt dies nicht: Einen so schöne Blick in die Werkzeugkiste eines Zeichners gab es schon lange nicht.

Titel – The Professor’s Daughter
Autoren – Joann Sfar, Emmanuel Guibert
Verlag – :01 First Second
Sprache – englisch
Erschienen – 2007
ISBN – 978-1-59643-130-0