Archiv für Juni 2008

Das Rauchverbot und der Trost

Juni 30, 2008

„Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. (…) Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden?“, so unwirsch urteilte Johann Wolfgang von Goethe. In Goethes Sinne verbessert das neue Rauchverbot die Luft in Deutschland und verdirbt die Laune der „Schmauchlümmel“ (Goethe).

Für alle geplagten Qualmer, Paffer und Quarzer gibt es deshalb hier ein kleines Nikotin-Trostpflaster: Der Western-Swing-Song „Smoke! Smoke! Smoke!“, gespielt von Asleep At The Wheel und illustriert durch alte amerikanische Zigaretten-Werbe-Clips.
Übrigens gibt es in diesem Blog kein Rauchverbot. Was das Rauchen und Trinken angeht, halten wir es mit einem anderen Dichterfürsten: „So geht es mit Tabak und Rum, erst bist du froh, dann fällst du um!“

Vierundzwanzig

Juni 27, 2008

Jack Bauer is back und rettet zum sechsten Mal die Welt in nur 24 Stunden. Wem das zu lange dauert, liest am besten Peckerwood. In einer knappen halben Stunde verhindert in diesem Comic Agent Jack Ass den dritten Weltkrieg, bekommt eine neue Frisur und stoppt den Hitman. Ja, genau der glatzige Killer aus dem gleichnamigen Computerspiel ;-) .
Kürzer und jugendfreier macht es die Brickfilmer von rstudiofilms – Lego-Jack gegen die Bösewichter:

Technische Musikanten

Juni 25, 2008

Zu den bewährten Musikmaschinenmenschen der heutigen Zeit zählen Kraftwerk und Celine Dion. Doch die neuesten Modelle spielen in der Roboterband The Trons. Konstruiert hat sie der Software-Ingenieur und Surf-Gitarrist Greg Locke. Dementsprechend könnte man die musikalische Richtung der Trons auch „Surfware“ nennen. Auf diese rockenden Helferlein wird selbst Daniel Düsentrieb neidisch!

Monster Museum: The Twonky

Juni 25, 2008

Der Terminator war nicht der erste rabiate Roboter aus der Zukunft. In dem Film „The Twonky“ (1953) von Arch Oboler wird ebenfalls eine böse Maschine durch die Zeit geschickt. Es handelt sich allerdings nicht um einen muskulösen Cyborg: Twonky ist ein klobiger Fernsehapparat mit Zimmerantenne! Der fiese Fernseher von Übermorgen übernimmt Schritt für Schritt die Kontrolle über das Leben von Professor West. Schließlich kommt es tödlichen Kampf Mann gegen Mattscheibe…
„The Twonky“ gehört nicht direkt in das Walhalla der unfreiwilligen Komik wie „Robot Monster“ oder „Plan 9 from Outer Space“. Durch die tollpatschige Visualisierung wird die satirische Absicht jedoch weitgehend unterlaufen. Streckenweise wirkt „The Twonky“, als ob die Augsburger Puppenkiste ein Remake von Cronenbergs „Videodrome“ produziert hätte.
Im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff „Twonky“ heute nach dem Neologismen-Lexikon von
www.technovelgy.com ein Ding aus der Zukunft, das in der Gegenwart ein zeitliches Paradox auslöst. Insofern zählt auch der Arnienator zu den Twonkys!

Warten auf Garfield

Juni 22, 2008

Depression, Psychosen und Nihilismus – diese Grundpfeiler der modernen Kunst verband man bislang nicht unbedingt mit dem feisten Kater Garfield.
In seinem Blog Garfieldminusgarfield.net hat Dan Walsh die niedlichen Katzen-Cartoons auf eindrucksvolle Weise verwandelt. Er retuschiert Garfield (und die anderen knuddeligen Tierchen) aus den Bildern heraus. Übrig bleibt Garfields Mensch Jon Arbuckle als einziges Lebewesen in einer absurden Welt. Durch den Verlust der Hauptfigur erreicht der Strip eine bittere Komik.
In einem der remixten Cartoons fragt Jon anscheinend sich selbst: „Hast Du unerfüllte Träume?“ Danach starrt er stumm noch zwei Bilder lang ins Nichts. Der Strip endet ohne Pointe oder Auflösung. Fast scheint der Geist Samuel Becketts in der Cartoonruine wieder auferstanden zu sein.
Der Garfield-Terminator Dan Walsh sagte der New York Times, die deprimierenderen Strips, in denen Jon mit leeren Bildern redet oder das Nichts beschimpft, lösen die größten Reaktionen aus. Garfield ist tot! Lang lebe GarfieldminusGarfield!

Schirmherrschaft

Juni 15, 2008

„And I thought having one of you around was bad …“

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Zum letztjährigen Free Comic Book Day schob Dark Horse …but the past ain’t through with you in die Boxen: die Umbrella Academy hatte ihren ersten Auftritt. Sieben dezent gestörte Kids, ein unnahbarer Ziehvater und eine Mama aus Plastikteilen sind als Patchwork-Familie im Auftrag des Guten unterwegs.

In der jetzt erschienenen Apocalypse Suite auch nicht zu knapp. Über 144 Seiten läßt das kreative Duo Gerard Way und Gabriel Ba die Kugeln rollen. Zeitreise, Gustave Eiffel, Weltuntergang, Roboter und Schimpansen sind mit dabei – ebenso wie Geigenunterricht, Bruderzwist, Strawinsky und noch mehr Weltuntergang.

Dieser Mischung stand der Zeichner Gabriel Ba anfangs eher skeptisch gegenüber. Wie er die vertrackte Geschwindigkeit der Story dann in einen prima Panelfluss geleitet, die überreizte Atmosphäre in tolle Bilder gepackt hat – große Klasse. Mehr Infos aus der Werkstatt gibt es übrigens in seinem Blog dazu. Noch besser: Umbrella Academy ist für den diesjährigen Eisner-Award als „Best Limited Series“ nominiert.

Congrats and good luck!


Titel - The Umbrella Academy: Apocalypse Suite
Autor - Gerard Way, Gabriel Ba
Verlag - Dark Horse
Sprache - englisch
Erschienen - 2008
ISBN - 978-1-59307-978-9

850 Jahre Fassbinders Stadt (München)

Juni 15, 2008

Im SZ-Magazin zum Münchener Stadtgründungsfest kommen ein Musiker und ein Künstler auf Rainer Werner Fassbinders Spuren in der Stadt zu sprechen: „Ich habe immer wieder internationale Gäste hier, DJs, Musiker – die wollen erst mal alle Fassbinder-Plätze sehen. Wo ist die „Deutsche Eiche“? Wo ist die Sendlinger Straße? Bier und Berge interessieren die gar nicht.“ (Mathias Modica)
Wie feiert man Fassbinder in diesen Tagen? Wie fördert man die erneute Fassbinderisierung Münchens? Vielleicht mit dem siebenminütigen Clip „Fassbinder Symphony“, einem Mega-Mix aus 22 Filmen. Hier sind genug Glamour, Tränen und Kunst für die nächsten 150 Jahre.

Schmankerl aus der Unterwelt!

Juni 13, 2008

Die Trailerhölle hat ihr Programm erweitert! Anfangs präsentierte die Webseite www.trailersfromhell.com preisgünstige Horror- und SciFi-Filme aus den 50er und 60er Jahren. Mittlerweile umfasst die von Regisseur Joe Dante gegründete Sammlung auch Klassiker von Hitchcock, Huston, Polanski und Welles.
Historisch gesehen, orientiert sich die Dramaturgie der Trailer-Galerie an der Sendung „Wiedersehen macht Freude“ mit Elmar Gunsch: Ein Trailer-Jockey moderiert den Clip kurz an. (Zu den „grindhouse gurus“ zählen alte Hasen wie John Landis oder Joe Dante und junge Hunde wie Edgar Wright oder Eli Roth.) Dann sieht man das Zelluloidschätzchen mit oder ohne Audio-Kommentar an.
Joe Dantes Faszination an Trailer begann am Anfang seiner Karriere in der Promotionsabteilung von Roger Cormans Produktionsfirma New World. Dante studierte die Grammatik des Films, indem er aus lahmarschigen Streifen reißerische Trailer schnitt: „Zu der Zeit kaufte Roger eine Menge philippinische Action-Filme über schwarze Frauen, die Leute abknallen. Wir haben einen Trailer für einen unglaublichen Flop gemacht als wir merkten, dass wir als Regisseure bessere Arbeit abliefern konnten. Wenn man für einen Trailer einen Film auf das Wesentliche reduziert, lernt man den Kern des Films kennen. Es ist besser als eine Filmschule. Glauben Sie mir, von jedem Film kann man viel lernen, egal wie schrecklich er ist.“ (Aus: Ed Naha. The Films of Roger Corman. Arco)

Muppet Nuggets

Juni 10, 2008

Es war einmal vor langer Zeit, als in allen Fernseher auf der Welt schwarz-weiße Bilder flimmerten. Auch dank Muppet-Erfinder Jim Henson bestand das Kinderprogramm in den USA damals nicht nur aus dressierten Tierchen wie Lassie, Fury und Flipper.
Schon vor „Sesamstrasse“ und „Muppet-Show“ erweiterte Jim Henson das Bewusstsein seiner Zuschauer mit subversiver Komik.
In seiner ersten Serie „Sam and Friends“ spielen Harry the Hipster und Kermit einen Sketch zum Thema „visual thinking“. Wenn Harry the Hipster visualisiert, was Jazz ist, erinnert die Nummer auf charmante Weise an Slim Gaillard, den großen Surrealisten des Swing. So erzieht man kleine Beatniks!

Animierte Mauern

Juni 5, 2008

Der cartoon du jour trägt den poetischen Titel „Muto – An ambiguous animation painted on public walls“/“Eine zweideutige Animation auf öffentlichen Wänden gemalt“. Mit dem siebenminütigen Film hat der Künstler Blu eine atemberaubende Form des public viewing geschaffen.
„Muto“ besteht aus tausenden Grafitti, die Blu einzeln gemalt, dann fotografiert und schließlich zu einem Trickfilm zusammengesetzt hat. Laut der Homepage www.blublu.org entstand die „wall animation“ in Buenos Aires und Baden/Schweiz. („I spend the winter working on some animations like this“, heißt es dort.)
„Muto“ wirkt wie ein assoziativer Horrorfilm über Menschen, Riesen und Insektenwesen. Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, sich zu vermehren und andere Geschöpfe aufzufressen. Ein Cartoon mit realistischem Ansatz also.

Die Londoner Tate Modern zeigt die Ausstellung „Street Art“ mit Arbeiten von Blu vom 23. Mai bis 25. August 2008.


MUTO a wall-painted animation by BLU from blu on Vimeo.