Früher wurden Städte von Fürsten gegründet. Heute erledigen das Autoren auf dem Reißbrett im Hirn. Eintritt frei nach Deepgate, Saraykeht und Adamantinarx.

Wayne Barlowe ist ein Design-Tausendsassa mit Spaß am Detail. In seiner persönlichen Hölle funkelt Adamantinarx-upon-the-Acheron am Seelenfluß in der Unterwelt:
This city, so unlike shadowed Dis with its flattened and oppressive vistas, was more alive in its spirit than most of Hell’s inhabitants.
Der Zeichner Barlowe verläßt sich in seinen Beschreibungen auf visuelle Wucht: sein gefallener Dämon Sargatanas verbaut seine Hoffnungen auf eine Rückkehr in die himmlischen Gefilde in den großartigen Gebäuden seiner Residenz.
Dank der verdammten Seelen ist auch Baumaterial in Hülle und Fülle vorhanden. Aber erst, als Sargantanas auf die Seelen als Werkstoff verzichtet, kommt Leben in die Sache. Mit God’s Demon hat sich Barlowe was Feines ausgedacht – abschließendes Inferno inklusive, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt.
Als Entwickler von einem der innovativsten Computerspiele (GTA) hat Alan Campbell ein besonderes Gespür für Räume. In Scar Night knarzt und rumpelt es gewaltig: die Stadt Deepgate hängt an zig Ketten über einem Abgrund, marode Wegstrecken oder ganze Viertel brechen einfach weg und so richtig frisches Öl gibt es nicht in der Maschinerie.

Die über dem Scythe gespannten Ketten sahen aus, als trieben sie auf einem stillen, schwarzen See. Die Schorsteine der am gegenüberliegenden Hang zusammengepferchten Fabrikem spuckten Asche in den stürmischen Wind. Dampfstrahlen zischten und jaulten zwischen Rauchschwaden und Stichflammen, während aus dem Inneren der Giftküchen ein dumpfes Dröhnen aufstieg. Doch Raum, der erkundet werden will, den gibt es in Scar Night zur Genüge. Da ist die umgebende Ödnis und noch mehr der Weg nach unten, hinein in den Abgrund, der in Deepgate zugleich gefürchtet und verehrt wird. Es geht einiges an Ketten den Bach hinunter und unschöne Dinge kommen ans Tageslicht …
Wie es weiter in Deepgate rasselt, kann übrigens ein paar Ecken weiter bei Blogspot auf Campbells Blog gelesen werden.
Saraykeht hingegen ist season-city. Wie der Sommer ist die Stadt – in einem Augenblick noch in voller Blüte und strotzend vor Wachstum und Verlangen. Doch mit dem Ende der Jahreszeit kommt der Niedergang. Den nach Kräften auch noch viele zu beschleunigen versuchen …

Daniel Abraham verschraubt in seinem Zyklus der Magischen Städte routiniert Jahreszeiten mit Handlung. Seine Stadt ist lebendig, blühend – und so leichtsinnig, wie es nur der Sommer bewirken kann.
Das ist alles luftig und leicht konstruiert, insbesondere das Konzept vom Stadtgeist, der als fleischgewordene Inkarnation einer heraufbeschworenen Idee für das Wohl von Saraykeht sorgt. Wie jede Idee möchte allerdings auch dieser Geist die ihm auferlegten Grenzen sprengen.
Weil das anderen, eigennützigen Motiven entgegen kommt, entspinnt sich rasch ein kräftiger Reigen aus Intrigen und Mißtrauen. Mit schönen Fallhöhen, Verwicklungen und Verwirrungen – so entwickelt sich in Sommer der Zwietracht aus schwüler Atmosphäre eine hitzige Geschichte.
Da draußen gibt es ein paar schöne Bücher mit fantastischer Architektur – holt sie euch.
Titel: Sommer der Zwietracht
Autor: Daniel Abraham
Verlag: Blanvalet
Sprache: deutsch
Erschienen: 2007
ISBN: 978-3-442-24446-1
Titel: Scar Night
Autor: Alan Campbell
Verlag: Goldmann
Sprache: deutsch
Erschienen: 2007
ISBN: 9-783442-462704
Titel: God´s Demon
Autor: Wayne Barlowe
Verlag: TOR Books
Sprache: englisch
Erschienen: 2007
ISBN: 978-0-7653-0985-3