Archiv für März 2008

Wow, Bob, wow!

März 30, 2008

Nach Dylans Radio-Show, Dokumentation, Autobiographie, Bio-Pic und Kunstausstellung gilt: Je mehr Bob, desto besser! Auf der Webseite www.dylanmessaging.com lädt Bob Dylan dazu ein, sich über einen seiner Klassiker lustig zu machen. Der Fan kann den Clip zu „Subterranean Homesick Blues“ als Telegramm benutzen. Auf die Karten, die Dylan in dem Video hochhält, lassen sich neue Botschaften schreiben.
Die Konkurrenz für eine Dylan-Parodie – alldieweil Bob Dylan selbst manchmal eine abliefert – ist natürlich groß.
Die knusprigste Version von „Subterranean Homesick Blues“ stammt wahrscheinlich von Weird Al Yankovic. Unter dem Titel „Bob“ hat er einen neuen Text für den Song geschrieben: Jede Zeile ist ein Palindrom! Weird Al gelingt ein cooles Kauderwelsch, das auch Weird Bob eingefallen sein könnte.

BOB

I, man, am regal – a German am I
Never odd or even
If I had a hi-fi
Madam, I´m Adam
Too hot too hoot.

Das Osterprogramm: Teil 2! Die abstrusen Hasen des David Lynch!!

März 22, 2008


Erschöpft von Wahnsinn, Gewalt und Sex können die Menschen in Filmen von David Lynch nicht oft einen ruhigen Fernsehabend genießen.
Die Bewohner von „Twin Peaks“ entspannen sich mit der Soap-Opera „Invitation to love“. In dem Film „Inland Empire“ steht stärkerer Tobak auf dem Programm: Nach einen Gespräch zwischen einer Hure und ihrem Freier sehen wir eine weinende Frau in einem Hotelzimmer. Die Frau starrt gebannt auf den Fernseher, in dem eine surreale Anti-Sitcom über Menschen in Hasenkostümen läuft.
Ursprünglich produzierte Lynch die Serie mit dem Titel „Rabbits“ für seine Homepage. Für „Inland Empire“ verwendete Lynch die Hasenserie erneut – zusammen mit einigen anderen abgebrochenen Projekten.„Rabbits“ spielt meist in einem lynchig-fies gefärbten Wohnzimmer mit grünen Wänden und braunem Boden. Wenn die drei Hasen sich bewegen, bewegen sie sich langsam. Sie deklamieren Sätze, die wie Bruchstücke aus verloren gegangenen Drehbüchern wirken. („Ich glaube nicht, dass es noch viel länger dauern kann.“) Manche Sentenzen werden durch Applaus und Gelächter vom Band akzentuiert. Eine Handlung gibt es nicht.Den einzigen Kontext liefert Lynchs Slogan für die Hasenserie: „In einer namenlosen Stadt, in der es unaufhörlich in Strömen regnet, leben drei Hasen mit einem furchtbaren Geheimnis…“
Es gibt Schelme, die über „furchtbare Hasengeheimnisse“ lachen und sogar David Lynch mit Hilfe von Goofy parodieren. Aber sehen sie selbst!

Das Osterprogramm: Teil 1! Blutrünstige Hasen in der Matrix!!

März 19, 2008

Ein Geschmeide des unfreiwilligen Humors ist der Monsterfilm „Rabbits“/“Night of the Lepus“ von 1971. Was soll man bloß von diesem Plot halten? Genmanipulierte Killer-Kaninchen töten wehrlose Menschen. Der arme Regisseur hat die Chose völlig unironisch verstanden und bluternst inszeniert. Allerdings war der Scherz stärker als das Entsetzen: „Rabbits“ wirkt wie ein verrückter Vorfahr der Horrorfilmparodie „Black Sheep“. (Da meucheln genmanipulierte Mörder-Schafe schutzlose Menschen.)
In der folgenden Szene aus „Rabbits“ machen die Hasen einer braven Hausfrau den Garaus.

Gefallen hat der spektakuläre Unsinn auch den Wachowski-Brüdern. Einen Clip aus „Rabbits“ haben sie im ersten „Matrix“-Film eingebaut. (Nicht grundlos: Das Zitat passt zum „Follow the white rabbit!“-Motiv in „Matrix“.) Faszinierende Vorstellung, dass Millionen Zuschauer zumindest ein kleines Stück eines der absurdesten Filme aller Zeiten gesehen haben.

Martin Scorseses neuer Film "Sesame Streets"

März 16, 2008

Der Diktator als Babysitter

März 16, 2008

In den dokumentarischen Comic „Pjöngjang“ erzählt Guy Delisle voller Galgenhumor von seiner Arbeit als Zeichentrickfilmer in Nordkorea. Delisle macht den Alptraum Nordkoreas und die Grotesken der Globalisierung in seinen schwarz-grauen Zeichnungen fassbar.
Der Kanadier überwachte in der nordkoreanischen Hauptstadt tatsächlich die Fabrikation von Cartoons für das französische Frühstücksfernsehen. Um Devisen in das verarmte Land zu holen, unterbieten die stalinistischen Machthaber sogar die Budgets der Chinesen. So helfen die Kinderfilme mit, den Personenkult des Alleinherrschers Kim Jong-Il zu finanzieren. Auch an anderer Stelle vermischen sich Diktatur und Popkultur auf bizarre Weise.
Nach einigen Wochen in Pjöngjang hält Delisle eine Rede vor den einheimischen Zeichnern, die für seine Produktion arbeiten: „Ich danke Ihnen für ihre Mühen und ihren Einsatz für unsere `Kleinen Mickys´, und dass sie es den Eltern unserer kapitalistischen Gesellschaft ermöglichen, bis in die Puppen zu schlafen, während ihre Kinder vor der Glotze hängen.“

Guy Delisle
Pjöngjang
184 Seiten
Reprodukt
18 €