Per Pressemitteilung vom 3. Februar hat der Piper-Verlag den offiziellen Start seines Piper-Fantasy-Portals verkündet. Dahinter steckt eine mehr oder minder Social-Web-Anwendung, die gemeinsam mit iRead / hierschreibenwir realisiert wurde: es gibt via Registrierung die Möglichkeit, an einem Online-Lexikon zur fantastischen Literatur mitzuwerkeln, sich mit anderen auszutauschen und ein paar Goodies einzuheimsen.
Nicht schlecht: angesichts des Twitter-Hypes bei Verlagen mal wieder auf einen good old-fashioned Community-Ansatz zu treffen. Die Optik gefällt, bei der Bedienbarkeit ruckelt es noch. (Da gibt es zum Beispiel nach dem Einloggen ein nicht aktivierbares Blog-Feature und die Navigationsführung ist doch gewöhnungsbedürftig.)
Hoppla macht es aber hier:
bei dem Lexikon, das die Benutzer erstellen (sollen) gilt wohl die Regel: first come, first serve. Ist zu einem Stichwort einmal etwas geschrieben, kann mit dem Verfasser diskutiert werden – der Artikel selbst lässt sich aber nicht ergänzen oder ändern …
in den AGBs heißt es unter anderem: Sollte ein Dritter Interesse an einer Nutzung an den auf Hierschreibenwir.de publizierten Inhalten haben, muss iRead Media vorher um Erlaubnis gefragt werden. Im Falle einer kommerziellen Nutzung (z.B. in Form eines Buches) wird iRead Media im Rahmen einer individuell zu schließenden Vereinbarung am finanziellen Ertrag beteiligt. Sollte ein Dritter über Hierschreibenwir.de auf ein HSW-Mitglied aufmerksam werden und mit diesem ein kommerzielles Projekt durchführen wollen, wird iRead Media im Rahmen einer individuell zu schließenden Vereinbarung am finanziellen Ertrag beteiligt.
Oops – folgt man der Einladung zum Schreiben, sollte man sich schon mal über Umformulierungen Gedanken machen. Und auch über mögliche, spätere Kontakte zu Verlagen, Zeitschriften etc. Denn sonst möchte der Plattform-Betreiber hier gerne finanziell beteiligt sein – “im Rahmen einer individuell zu schließenden Vereinbarung”.
Piper-Fantasy ist eine prima Schritt. Die Inhalte des Lexikons können vorgeschlagen werden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die aktuell knapp 140 MItglieder auch wirklich untereinander vernetzen.
Jetzt noch das Lexikon wirklich editierbar machen, so dass Entwicklung machbar wird. Und einmal bitte die AGBs überarbeiten … dann schreiben wir da auch was rein …
Fast verdrängt, aber leider immer noch wahr: Ridley Scott verfilmt Monopoly. Ob der Bladerunner- und Alien-Macher weiß, worauf er sich eingelassen hat?
Denn mit dem “Scrabble”-Streifen Word Wars hat der inoffizielle Meilenstein des Genres Brettspiel-Verfilmungen schon 2004 einige Auszeichnungen eingeheimst. Beim Sedona International Film Festival gab es den Director’s Choice Award und ein Audience Award wurde auf dem Full Frame Documentary Film Festival vergeben …
Das wird also kein leicht weg gedrehter Oscar – jetzt schnell machen, bevor John Woo Mikado entdeckt, Volker Schlöndorff Topfschlagen neu verfilmt oder noch Karl Lagerfeld Fang-den-Hut spielt.
Scott will mit einer SciFi-artigen Verfilmung punkten – vielleicht macht aber ein Kammerspiel mehr Sinn:
Then, one by one, the television stations stopped working. No news out of Washington at all, as if its mouth had been filled with dirt. The letters stopped coming, the paychecks stopped coming …
Marco Angelo Oliveira ist auf dem Gefängnisschiff Rosalita, als die Welt zerfällt. Eine wirtschaftliche Krise fegt über die USA, bis der Dollar nur noch ein grüner Fetzen Papier ist. Dem Chaos entsteigen neue Kräfte und Strukturen: Die New Sioux reiten durch ein Land, in dem es wieder Sklaverei gibt und der Circus of Industrial Destruction blutige Vorführungen abhält. Höchste Zeit für Marco, die Slick Six zu reanimieren …
Intensive Stimmen, Details und Figuren sind so dicht gepackt, dass kaum Luft zum Atemholen bleibt. Aus den Geschichten und Erzählungen von Piraten und neuen Pionieren, Überlebenden und Sklavenhaltern filtert Slattery seine irre Chronik von morgen.
Die Slick Six haben ihren Platz darin als mythische Verbrechertruppe aus der prä-kollabierten Zeit. Marco war zwar nicht gerade das brain, aber der Mann, der Dinge möglich machte. In diesem neuen Amerika, das alle unruhigen und unheiligen Geister aus der Vergangenheit wieder zum Leben erweckt, will er diesmal etwas ganz Anderes möglich machen.
Slattery hat das alles aufgeschrieben. Wahnwitzig, heftig, komisch. Was er wohl mit seinem nächsten Buch alles anstellt?
Wieder hat Iggy Pop einen überlebt. Am 4. Februar ist mit Lux Interior der Gründer und Frontmann von The Cramps an einem Herzleiden gestorben. Mit seiner Frau und Bandgefährtin Poison Ivy zusammen hatte Lux seit den 80ern die krachige Schule von fuzzatonic-psykkick Punkrock auf Bühnen und Plattentellern zelebriert.
Ob der Sound tatsächlich aus dem Verstärker kam oder an der Laune des Tontechnikers hing wußte man nie so recht. Aber mit People A’int No Good lagen die Cramps goldrichtig.
Die Reunion-Tour der Cramps findet auf einer größeren Bühne statt – Reessst In Fuzzz!
Eigentlich beruht der neue Film “Der seltsame Fall des Benjamin Button” auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Es gibt allerdings auch strenge Menschen, die behaupten, David Finchers neuer Film sei im Grunde ein in die Länge gezogenes Remake von “Forrest Gump”. Die “Talk Show with Spike Feresten” präsentierte sogar einen entlarvenden Zwillings-Trailer für “Button Gump”.
Suspicion is an evolutionary trait in my business. Develop it or become instinct.
Horton hört ein Hu ist ein hübsches Kinderbuch vom notorischen Onkel Dr. Seuss. Nun will uns Gary Braunbeck weismachen, dass auch Hellboy auf den Klassiker steht. Wer mehr darüber wissen will, muss Oddest Jobs lesen.
Die jüngste Sammlung von Geschichten über den groß-roten Höllenknaben hat wieder Christopher Golden kompiliert. Mike Mignola himself hat die den einzelnen Kapiteln vorangestellten Zeichnungen beigesteuert. Also Stoff vom feinsten – so protzt auch das Autorenverzeichnis: beteiligt sind Mark Chadbourn, Garth Nix, Joe R. Lansdale, China Mieville, Rhys Hughes, Tad Williams und und und …
Aus der Waffenkammer der phantastischen Short Story entweichen unter anderem Salamander-Leute, ein keltischer Unterwassergott und böse Inneneinrichtungen. Passt auch alles wunderbar ins Hellboy-Universum. Noch besser klappt die Fan-Attitüde, mit der die Beteiligten zu Werke gegangen sind. Nur wenige haben sich die Gelegenheit entgehen lassen, ihre Abenteuer in der ersten Person Singular aufzuschreiben.
Einmal ein melancholischer Dämon mit Steinfaust sein – wer kann da schon widerstehen. Einen besseren Hellboy jibbet net.
How can I make this play right for me? Save yourself, serve yourself. She taught me that. That’s what I am saying. I’ll saying it was her.
Endlich lacht der 22jährigen Ich-Erzählerin mal das Glück mit großen Scheinen. Gloria Denton, alte Dame aus ehrenwerter Gesellschaft und Mob-Legende, nimmt die junge Frau unter ihre Fittiche. Rasch lernt sie das kriminelle Geschäft mit Wettbüros und Casinos. Schnelles Geld und schicke Klamotten winken – nur ncht aufs falsche Pferd setzen. Am besten auf gar keins, denn in der Welt von Queenpin gibt es kein Glücksspiel. Nur organisiertes Verlieren für die, die außerhalb des Systems stehen …
So einer ist auch Vic Riordan. Um einmal groß abzukassieren, nimmt der Zocker das Lehrmädchen auf den Haken. Aber nicht nur er will das Spiel kontrollieren. Auch Schülerin und Lehrmeisterin haben unterschiedliche Vorstellungen, wer den Hauptgewinn einstreichen soll – oder einfach nur überleben darf.
Das ist bester Noir. Knappe 180 Seiten, schnell, aber mit den Details an den richtigen Stellen. Über den realen Background hat sich Abbott auch sehr ausführlich in einem Interview geäußert. Die Faszination mit dem Glamour der Goldenen Mob-Ära von Bugsy Siegel und Co. ist in vielen Szenen auch deutlich zu spüren. Zum Glück ist Queenpin nicht davon fortgerissen und zur Beschreibungtsorgie geworden.
Gerade im richtigen Moment drückt Abbott das Gaspedal durch. Auf der schön ausgebreiteten Grundlage wird der Plot schnell und verschlagen. Die konsequenten Entwicklungen liefern sich dabei mit den unterschiedlichen Überlebensstrategien aller ein heißes Kopf-an-Kopf Rennen – prima für die Story, spannend für den Leser.
Das neue Jahr ist noch ziemlich frisch, aber meistens fangen zu dieser Zeit die guten Vorsätze an zu riechen. Doch weiter rauchen, lieber keinen Schnee schnippen, immer noch um 22.00 Uhr den Abwasch erledigen … die Liste ist galore.
Fein raus ist, wer 2009 programmieren lernen will. Mit dem Poignant Guide wird dem Wunsch auf dreierlei Weise nachgeholfen. Zuallererst einmal geht es um Ruby. Das ist eine coole Sprache, mit der sich besonders im Bereich Web-Entwicklung allerlei anstellen lässt – Stichwort Rails. Das Tutorial zaubert aber noch sprechende Füchse aus dem Ärmel. Die sehen aus wie von Lewis Trondheim gezeichnet und es interessiert sie auch nur Ruhm und Geld – aber hey: why not? Zu guter letzt ist da noch die Sidebar auf der Website … ebenso erratisch wie absurd-unbeschreiblich. Was haben Geschichten über Meteore mit dem Programmieren zu tun???
Verantwortlich im wahrsten Sinne dafür ist Why The Lucky Stiff. Aus dieser Quelle stammen auch die Illustrationen zu dem hoch-offiziellen Ruby-Buch aus dem Hause O’Reilly. So gehen also Lehrbücher – bitte anschauen, merken, dicke Scheiben abschneiden und nachahmen!
Was kommt heraus, wenn Engländer zu tief ins Weinglas schauen? Nach ein paar Flaschen Chardonnay gründeten Steven Worbey und Kevin Farrell das Klavier-Duo Katzenjammer. Um Klassik und Slapstick genüge zu tun, spielen die Katzenjammer Kids vierhändig auf einem Klavier. Zu ihrem Publikumserfolgen zählt eine Version der “Simpsons”-Titelmusik. Als Einleitung paßt dieser schöne Dialog aus der Folge “Homerpalooza” von “The Simpsons”.
Roadie: Someone here ordered the London Symphony Orchestra, possibly while high. Cypress Hil, I´m looking in your direction.
(The members of Cypress Hil huddle up and talk indistinctly.)
Cypress Hill Member: Yeah, we think we did. You guys know “Insane in the brain”?
Conductor: We mostly know classical. But we could give it a shot.
Zum guten Schluss noch ein Nugget für Freunde der Weihnacht. Allerdings werden sich selbst Onkel Dagobert, der Grinch und König Herodes dem Charme des Trickfilms “Seasonal Short” nicht entziehen können. Von Trevor van Meter stammt der Cartoon. Entsprechend seines Namens wirkt die Homepage seines “TVM Studio” wie der Spielwarenladen eines verrückten Wissenschaftlers.
Übrigens ließ sich Herr van Meter von den Godzilla-Filmen “King Kong – Dämonen aus dem Weltall” und “Die Rückkehr des King Kong” inspirieren. Hier wurden Gummimonster in Gold verwandelt! Auch für Weihnachtsgrüße gilt also das Bibelwort: Die Letzten werden die Ersten sein! Weiter so!