Schirmherrschaft

Juni 15, 2008 by tausendzeichen

“And I thought having one of you around was bad …”

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Zum letztjährigen Free Comic Book Day schob Dark Horse …but the past ain’t through with you in die Boxen: die Umbrella Academy hatte ihren ersten Auftritt. Sieben dezent gestörte Kids, ein unnahbarer Ziehvater und eine Mama aus Plastikteilen sind als Patchwork-Familie im Auftrag des Guten unterwegs.

In der jetzt erschienenen Apocalypse Suite auch nicht zu knapp. Über 144 Seiten läßt das kreative Duo Gerard Way und Gabriel Ba die Kugeln rollen. Zeitreise, Gustave Eiffel, Weltuntergang, Roboter und Schimpansen sind mit dabei - ebenso wie Geigenunterricht, Bruderzwist, Strawinsky und noch mehr Weltuntergang.

Dieser Mischung stand der Zeichner Gabriel Ba anfangs eher skeptisch gegenüber. Wie er die vertrackte Geschwindigkeit der Story dann in einen prima Panelfluss geleitet, die überreizte Atmosphäre in tolle Bilder gepackt hat - große Klasse. Mehr Infos aus der Werkstatt gibt es übrigens in seinem Blog dazu. Noch besser: Umbrella Academy ist für den diesjährigen Eisner-Award als “Best Limited Series” nominiert.

Congrats and good luck!


Titel - The Umbrella Academy: Apocalypse Suite
Autor - Gerard Way, Gabriel Ba
Verlag - Dark Horse
Sprache - englisch
Erschienen - 2008
ISBN - 978-1-59307-978-9

850 Jahre Fassbinders Stadt (München)

Juni 15, 2008 by tausendzeichen

Im SZ-Magazin zum Münchener Stadtgründungsfest kommen ein Musiker und ein Künstler auf Rainer Werner Fassbinders Spuren in der Stadt zu sprechen: „Ich habe immer wieder internationale Gäste hier, DJs, Musiker – die wollen erst mal alle Fassbinder-Plätze sehen. Wo ist die „Deutsche Eiche“? Wo ist die Sendlinger Straße? Bier und Berge interessieren die gar nicht.“ (Mathias Modica)
Wie feiert man Fassbinder in diesen Tagen? Wie fördert man die erneute Fassbinderisierung Münchens? Vielleicht mit dem siebenminütigen Clip „Fassbinder Symphony“, einem Mega-Mix aus 22 Filmen. Hier sind genug Glamour, Tränen und Kunst für die nächsten 150 Jahre.

Schmankerl aus der Unterwelt!

Juni 13, 2008 by tausendzeichen

Die Trailerhölle hat ihr Programm erweitert! Anfangs präsentierte die Webseite www.trailersfromhell.com preisgünstige Horror- und SciFi-Filme aus den 50er und 60er Jahren. Mittlerweile umfasst die von Regisseur Joe Dante gegründete Sammlung auch Klassiker von Hitchcock, Huston, Polanski und Welles.
Historisch gesehen, orientiert sich die Dramaturgie der Trailer-Galerie an der Sendung „Wiedersehen macht Freude“ mit Elmar Gunsch: Ein Trailer-Jockey moderiert den Clip kurz an. (Zu den „grindhouse gurus“ zählen alte Hasen wie John Landis oder Joe Dante und junge Hunde wie Edgar Wright oder Eli Roth.) Dann sieht man das Zelluloidschätzchen mit oder ohne Audio-Kommentar an.
Joe Dantes Faszination an Trailer begann am Anfang seiner Karriere in der Promotionsabteilung von Roger Cormans Produktionsfirma New World. Dante studierte die Grammatik des Films, indem er aus lahmarschigen Streifen reißerische Trailer schnitt: „Zu der Zeit kaufte Roger eine Menge philippinische Action-Filme über schwarze Frauen, die Leute abknallen. Wir haben einen Trailer für einen unglaublichen Flop gemacht als wir merkten, dass wir als Regisseure bessere Arbeit abliefern konnten. Wenn man für einen Trailer einen Film auf das Wesentliche reduziert, lernt man den Kern des Films kennen. Es ist besser als eine Filmschule. Glauben Sie mir, von jedem Film kann man viel lernen, egal wie schrecklich er ist.“ (Aus: Ed Naha. The Films of Roger Corman. Arco)

Muppet Nuggets

Juni 10, 2008 by tausendzeichen

Es war einmal vor langer Zeit, als in allen Fernseher auf der Welt schwarz-weiße Bilder flimmerten. Auch dank Muppet-Erfinder Jim Henson bestand das Kinderprogramm in den USA damals nicht nur aus dressierten Tierchen wie Lassie, Fury und Flipper.
Schon vor „Sesamstrasse“ und „Muppet-Show“ erweiterte Jim Henson das Bewusstsein seiner Zuschauer mit subversiver Komik.
In seiner ersten Serie „Sam and Friends“ spielen Harry the Hipster und Kermit einen Sketch zum Thema „visual thinking“. Wenn Harry the Hipster visualisiert, was Jazz ist, erinnert die Nummer auf charmante Weise an Slim Gaillard, den großen Surrealisten des Swing. So erzieht man kleine Beatniks!

Animierte Mauern

Juni 5, 2008 by tausendzeichen

Der cartoon du jour trägt den poetischen Titel „Muto – An ambiguous animation painted on public walls“/“Eine zweideutige Animation auf öffentlichen Wänden gemalt“. Mit dem siebenminütigen Film hat der Künstler Blu eine atemberaubende Form des public viewing geschaffen.
„Muto“ besteht aus tausenden Grafitti, die Blu einzeln gemalt, dann fotografiert und schließlich zu einem Trickfilm zusammengesetzt hat. Laut der Homepage www.blublu.org entstand die „wall animation“ in Buenos Aires und Baden/Schweiz. („I spend the winter working on some animations like this“, heißt es dort.)
„Muto“ wirkt wie ein assoziativer Horrorfilm über Menschen, Riesen und Insektenwesen. Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, sich zu vermehren und andere Geschöpfe aufzufressen. Ein Cartoon mit realistischem Ansatz also.

Die Londoner Tate Modern zeigt die Ausstellung „Street Art“ mit Arbeiten von Blu vom 23. Mai bis 25. August 2008.


MUTO a wall-painted animation by BLU from blu on Vimeo.

Die Mirabilia des Ray Harryhausen

Mai 25, 2008 by tausendzeichen

„Manche Leute sagen `Casablanca´ oder `Citizen Kane´, ich sage, `Jason und die Argonauten´ ist der beste Film, der je gedreht wurde.“

- Tom Hanks, bei der Oscar-Verleihung 1992 an Ray Harryhausen


Auch die Ungeheuer sind Kinder Gottes, schrieb Augustinus. Dem Trickfilm-Spezialisten Ray Harryhausen sprach der Philosoph damit wahrscheinlich aus der Seele. In seiner Karriere hat Harryhausen einem Schwarm Fabelwesen, Urtieren und Monstern Leben eingehaucht. Seine virtuosen Animationen schufen eine Ästhetik des Fantasy-Films: „Fantasy ist im Grunde eine Traumwelt, eine erdichtete Welt. Und ich glaube nicht, dass man sie ganz realistisch haben will. Man will eine Interpretation. Die Realität soll in Phantasie verwandelt werden. Für mich ergibt `Stop-Motion-Animation´ diesen Mehrwert einer Traumwelt, den man nicht kriegt, wenn man es zu realistisch macht.“ (Ray Harryhausen)
Ein wunderbarer Clip kompiliert alle Kreaturen Harryhausens – vom Rhedosaurus aus „Dinosaurier in New York“/“The Beast from 20.000 Fathoms“ (1953) bis zur mechanischen Eule in „Kampf der Titanen“/Clash of the Titans“ (1981).

Das Dickicht aus Städten

Mai 3, 2008 by tausendzeichen

Früher wurden Städte von Fürsten gegründet. Heute erledigen das Autoren auf dem Reißbrett im Hirn. Eintritt frei nach Deepgate, Saraykeht und Adamantinarx.


Wayne Barlowe ist ein Design-Tausendsassa mit Spaß am Detail. In seiner persönlichen Hölle funkelt Adamantinarx-upon-the-Acheron am Seelenfluß in der Unterwelt:

This city, so unlike shadowed Dis with its flattened and oppressive vistas, was more alive in its spirit than most of Hell’s inhabitants.

Der Zeichner Barlowe verläßt sich in seinen Beschreibungen auf visuelle Wucht: sein gefallener Dämon Sargatanas verbaut seine Hoffnungen auf eine Rückkehr in die himmlischen Gefilde in den großartigen Gebäuden seiner Residenz.
Dank der verdammten Seelen ist auch Baumaterial in Hülle und Fülle vorhanden. Aber erst, als Sargantanas auf die Seelen als Werkstoff verzichtet, kommt Leben in die Sache. Mit God’s Demon hat sich Barlowe was Feines ausgedacht - abschließendes Inferno inklusive, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt.

Als Entwickler von einem der innovativsten Computerspiele (GTA) hat Alan Campbell ein besonderes Gespür für Räume. In Scar Night knarzt und rumpelt es gewaltig: die Stadt Deepgate hängt an zig Ketten über einem Abgrund, marode Wegstrecken oder ganze Viertel brechen einfach weg und so richtig frisches Öl gibt es nicht in der Maschinerie.

Die über dem Scythe gespannten Ketten sahen aus, als trieben sie auf einem stillen, schwarzen See. Die Schorsteine der am gegenüberliegenden Hang zusammengepferchten Fabrikem spuckten Asche in den stürmischen Wind. Dampfstrahlen zischten und jaulten zwischen Rauchschwaden und Stichflammen, während aus dem Inneren der Giftküchen ein dumpfes Dröhnen aufstieg. Doch Raum, der erkundet werden will, den gibt es in Scar Night zur Genüge. Da ist die umgebende Ödnis und noch mehr der Weg nach unten, hinein in den Abgrund, der in Deepgate zugleich gefürchtet und verehrt wird. Es geht einiges an Ketten den Bach hinunter und unschöne Dinge kommen ans Tageslicht …

Wie es weiter in Deepgate rasselt, kann übrigens ein paar Ecken weiter bei Blogspot auf Campbells Blog gelesen werden.

Saraykeht hingegen ist season-city. Wie der Sommer ist die Stadt - in einem Augenblick noch in voller Blüte und strotzend vor Wachstum und Verlangen. Doch mit dem Ende der Jahreszeit kommt der Niedergang. Den nach Kräften auch noch viele zu beschleunigen versuchen …

Daniel Abraham verschraubt in seinem Zyklus der Magischen Städte routiniert Jahreszeiten mit Handlung. Seine Stadt ist lebendig, blühend - und so leichtsinnig, wie es nur der Sommer bewirken kann.
Das ist alles luftig und leicht konstruiert, insbesondere das Konzept vom Stadtgeist, der als fleischgewordene Inkarnation einer heraufbeschworenen Idee für das Wohl von Saraykeht sorgt. Wie jede Idee möchte allerdings auch dieser Geist die ihm auferlegten Grenzen sprengen.
Weil das anderen, eigennützigen Motiven entgegen kommt, entspinnt sich rasch ein kräftiger Reigen aus Intrigen und Mißtrauen. Mit schönen Fallhöhen, Verwicklungen und Verwirrungen - so entwickelt sich in Sommer der Zwietracht aus schwüler Atmosphäre eine hitzige Geschichte.

Da draußen gibt es ein paar schöne Bücher mit fantastischer Architektur - holt sie euch.

Titel: Sommer der Zwietracht
Autor: Daniel Abraham
Verlag: Blanvalet
Sprache: deutsch
Erschienen: 2007
ISBN: 978-3-442-24446-1

Titel: Scar Night
Autor: Alan Campbell
Verlag:
Goldmann
Sprache: deutsch
Erschienen: 2007
ISBN: 9-783442-462704

Titel: God´s Demon
Autor: Wayne Barlowe
Verlag: TOR Books
Sprache: englisch
Erschienen: 2007
ISBN: 978-0-7653-0985-3

Werner Herzog spielt Poker

April 29, 2008 by tausendzeichen

Vor kurzem startete der Poker-Film „The Grand“ von Zak Penn in den USA. Zu den Schauspielern gehören Woody Harrelson, Jason Alexander und… Werner Herzog als deutscher Kartenhai. „Scary German with a disturbing secret“, wird er im Trailer genannt. Seltsam, aber wahr!
Das Konzept des Films ähnelt allerdings dem Ansatz Herzogs in seinen eigenen Dokumentationen. „The Grand“ ist eine Mockumentary, ein inszenierter Bericht, über ein Poker-Turnier.
Die Verbindung zwischen Penn und Herzog wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich: Zak Penn hat Drehbücher zu den Mainstream-Verfilmungen von Marvel Comics geschrieben.
Allerdings interessiert sich Penn auch für kleinere Projekte: Zusammen mit Werner Herzog realisierte er „Incident at Loch Ness“, eine natürlich gefälschte Dokumentation über das Monster von Loch Ness.

In einem Interview auf www.comingsoon.net redet Regisseur Zak Penn über Werner Herzog.

: Hat Werner Herzog eine Dokumentation über seine Erfahrungen beim Poker spielen gedreht?

Penn: Nein. Weißt du, wohin Werner nach den Dreharbeiten zu dem Film gefahren ist? Es klingt wie ein Witz, aber wir brauchten ihn einmal für eine Nachsynchro. Wir haben ihn angerufen und seine Frau sagte: „Oh, nein. Er ist in der Antarktis und dreht einen Film.“ Ich habe gelacht. Dann hat sie mir ein Foto geschickt und da war Werner in der Antarktis und drehte einen Film.

: Hast du weiter an dem Werner-Herzog-Superhelden-Film gearbeitet, über den wir letztes Mal gesprochen haben?

Penn: (lacht) Nein, habe ich nicht, aber ich will eine „graphic novel“ über Werner machen. Daran arbeite ich.

Zum Geburtstag von Anita Loos

April 26, 2008 by tausendzeichen

„Die Aktivistinnen der Frauenbewegung machen mich wütend. Sie stehen auf Seifenkisten und proklamieren, dass Frauen klüger sind als Männer. Das stimmt zwar, aber es sollte unter uns bleiben, sonst stürzt das ganze Kartenhaus zusammen.“

- Anita Loos

Die Autorin Anita Loos hat rund 130 Drehbücher in Hollywood geschrieben. Ihre bekannteste Arbeit war „Blondinen bevorzugt“, ihr bestes Drehbuch schrieb sie für „The Women“ von George Cukor. Als kleine Huldigung für Anita Loos kann man deshalb den Clip „Women in Film“ von Philip Scott Johnson verstehen. Johnson morphte die Fotos von 77 Schauspielerinnen ineinander.

In zwei Minuten sehen wir Mary Pickford, Lillian Gish, Gloria Swanson, Marlene Dietrich, Norma Shearer, Ruth Chatterton, Jean Harlow, Katharine Hepburn, Carole Lombard, Bette Davis, Greta Garbo, Barbara Stanwyck, Vivien Leigh, Greer Garson, Hedy Lamarr, Rita Hayworth, Gene Tierney, Olivia de Havilland, Ingrid Bergman, Joan Crawford, Ginger Rogers, Loretta Young, Deborah Kerr, Judy Garland, Anne Baxter, Lauren Bacall, Susan Hayward, Ava Gardner, Marilyn Monroe, Grace Kelly, Lana Turner, Elizabeth Taylor, Kim Novak, Audrey Hepburn, Dorothy Dandridge, Shirley MacLaine, Natalie Wood, Rita Moreno, Janet Leigh, Brigitte Bardot, Sophia Loren, Ann Margret, Julie Andrews, Raquel Welch, Tuesday Weld, Jane Fonda, Julie Christie, Faye Dunaway, Catherine Deneuve, Jacqueline Bisset, Candice Bergen, Isabella Rossellini, Diane Keaton, Goldie Hawn, Meryl Streep, Susan Sarandon, Jessica Lange, Michelle Pfeiffer, Sigourney Weaver, Kathleen Turner, Holly Hunter, Jodie Foster, Angela Bassett, Demi Moore, Sharon Stone, Meg Ryan, Julia Roberts, Salma Hayek, Sandra Bullock, Julianne Moore, Diane Lane, Nicole Kidman, Catherine Zeta-Jones, Angelina Jolie, Charlize Theron, Reese Witherspoon und Halle Berry.

Shining als Romantic Comedy

April 25, 2008 by tausendzeichen

Zu den frappierenden Trailer-Mashes zählt “Romantic Shining”. Kubricks überdrehter, fast parodistischer Horrorfilm verwandelt sich in eine rührende Vater-Sohn-Geschichte ohne einen Tropfen Blut. “Meet Jack Torrance. He´s a writer looking for inspiration. Meet Danny. He´s a kid looking for a dad. But sometimes what we need most is just around the corner.” Und so wird Jack zum liebevollen Adoptiv-Vater. Stephen King endet als Rosamunde Pilcher. Nur fraglich, was unheimlich ist - das Original oder der rosarote Remix?